Live experimentieren statt Filmkonserve

Der Distanzunterricht war eine große Herausforderung für experimentelle Fächer wie Chemie. Die Versuchung war groß, nur Filme statt Experimenten in Videokonferenzen einzusetzen.

Neben der Ausstattung müssen auch Experimente so gestaltet sein, dass sie unter eine Dokumentenkamera passen. Dazu sind vor allem Experimente in Tüpfeltechnik geeignet, ein weiteres Feld sind Experimente im Halbmikromaßstab, wie z. B. Titrationen.

Experimente, die für diese Methoden geeignet sind, wurden auf der MNU Berlin online vorgestellt und sind unter folgendem Link abrufbar:

Qualitative und quantitative Analytik von Produkten aus dem Alltag

Mit Hilfe von Messwerterfassung lassen sich viele kleinere Versuche auswerten, vor allem digitale Thermometer oder eine Waage, an den Computer angeschlossen, leisten gute Hilfe.

Live-Experimente sind glaubwürdiger, stellen für den Schüler eine Aufforderung dar, Fragen zu stellen, da das Experiment unter veränderten Bedingungen wiederholt werden kann.

Ein Film kann nur wieder in der gleichen Version abgespielt werden. Diese Erfahrung wird auch in einer wissenschaftlichen Untersuchung bestätigt:

Student Satisfaction with Synchronous Online Organic Chemistry Laboratories: Prerecorded Video vs Livestream

Technische Ausstattung: Vernetzung durch Cynap

Die technische Ausstattung ist nicht trivial, ich möchte hier meine Ausrüstung vorstellen, die mir in Zeiten des Distanzunterrichts zuverlässig ermöglicht hat, Experimente live vor der Kamera zu zeigen. Diese Ausstattung könnte in Hinblick auf den Digitalpakt eine Anregung sein, über die sich eine solche Ausstattung finanzieren lässt.

Herzstück der Ausstattung ist ein Cynap-Gerät von Wolfvision, ein Gerät das alle Peripheriegeräte, wie z. B. Kameras oder Ausgabegeräte miteinander vernetzt. Dies wird im folgenden Schaltbild deutlich:

Cynap von Wolfvision

Das Cynap-Gerät gibt es in mehreren Versionen, den Link zum Hersteller findet man hier:

Übersicht Cynap-Varianten (Herstellerseite Wolfvision)

Preislich ist die Cynap Core Pro – Version zu empfehlen, die über einen HDMI-Eingang eine Kamera direkt und über USB via Adapter eine zweite Kamera mit HDMI-Ausgang anschließen kann. Noch günstiger ist die Cynap Pure Pro – Version, wo eine Dokumentenkamera nur über USB angeschlossen werden kann.

Ein Test dieses Gerätes aus der Computer-Zeitschrift c’t ist über den nächsten Link aufzurufen:

Kommunikationszentrale: Cynap Pure Pro - Präsentationssystem mit Kollaborationsfunktionen

Über einen HDMI-Ausgang wird ein Kontrollmonitor angeschlossen. Über USB-Eingänge können z. B. Präsentationen als Powerpoint geladen und abgespielt werden.

Das Bild vom Kontrollmonitor kann direkt über die Cynap gestreamt werden, es ist aber auch möglich, sich über den Computer, den man für eine Onlinekonferenz nutzt, über die kostenlose vSolution App mit dem Cynap-Gerät zu verbinden um dann seinen Bildschirm zu zeigen.

Bei meinen Experimenten verwende ich eine Dokumentenkamera für die Ansicht von oben, eine Filmkamera oder eine zweite Dokumentenkamera für die Ansicht von vorne.

Besonders hochqualitative Dokumentenkameras mit überragender Bildqualität stellt wiederum Wolfvision her, dies war das ursprüngliche Kerngeschäft dieser österreichischen Firma.

Von der Ein-Mann-Show zur gemeinsamen Präsentation

Ohne eine zweite Person an einem Mischpult kann zwischen Visualizer, Kamera, Präsentation oder einem zweiten Computer mit Messwerterfassung umgeschaltet oder sogar alles gleichzeitig dargestellt werden (bis zu vier Fenster können gleichzeitig dargestellt werden). Die Steuerung erfolgt über den Touchscreen-Monitor oder über die Fernbedienung des Cynap-Gerätes.

Was macht man aber mit den Geräten, wenn kein Distanzunterricht mehr stattfindet.

Die Cynap-Geräte sind eigentlich Geräte, um in Präsenz den Teilnehmern zu ermöglichen, ihre Bildschirminhalte mit anderen zu teilen, z .B. auf einen Beamer zu übertragen. Umgekehrt können Teilnehmer sich die Präsentation, die auf dem Beamer läuft, sich an ihrem eigenen Bildschirm anschauen.

Auch wenn hoffentlich in Zukunft kein weiterer Distanzunterricht notwendig sein wird, ist die Technik, Experimente im Livestream zu zeigen, weiterhin nützlich, z. B. für Fortbildungen. Über weite Strecken lassen sich so leicht Experimente vorführen und Ideen austauschen.

Die Pandemie hat auch den Chemieunterricht verändert, die Zeit lässt sich nicht mehr zurückdrehen.

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